Carsharing für Lippstadt

Vom „unmöglich“ zum Modellprojekt

Carsharing in Lippstadt? Noch vor wenigen Jahren galt das als aussichtslos. Zu kleinstädtisch, zu autozentriert, zu wenig Nachfrage – so lauteten die gängigen Vorurteile. Doch heute steht fest: Carsharing kommt nach Lippstadt. Im Sommer 2025 hat der Rat der Stadt das Projekt beschlossen und das nötige Budget freigegeben. Ein Erfolg, der ohne das Klimanetzwerk Lippstadt kaum denkbar gewesen wäre.

Das Klimanetzwerk als Motor der Veränderung

Bereits 2024 nahm das Klimanetzwerk Lippstadt das Thema nachhaltige Mobilität gezielt in den Fokus. Ein eigenes Projektteam wurde gegründet, um das Thema Carsharing fachlich fundiert und praxisnah zu bearbeiten. Unter der Leitung von Elke Leonhard Brendel wurden Chancen, Risiken und Umsetzungsmöglichkeiten intensiv analysiert.

Parallel dazu brachte sich das Klimanetzwerk aktiv in Workshops des Kreises Soest ein, der ebenfalls an einem Carsharing-Konzept für Lippstadt arbeitete. Ziel war es, den Prozess nicht nur kritisch zu begleiten, sondern konstruktiv zu unterstützen – immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort.

Bürgerumfrage und WandelBar: Der Wendepunkt

Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Erfolg war die umfangreiche Bürgerumfrage des Klimanetzwerkes. Sie zeigte klar: Das Interesse an Carsharing in Lippstadt ist vorhanden. Besonders Menschen, die selten ein Auto benötigen oder bewusst auf einen Zweitwagen verzichten möchten, sehen im Teilen von Fahrzeugen eine echte Alternative.

Ergänzt wurde die Umfrage durch eine gut besuchte Informations- und Diskussionsveranstaltung in der WandelBar. Dort kamen Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Politik und Fachleute zusammen. Skepsis wurde offen angesprochen, Fragen ehrlich beantwortet und Erfahrungen aus anderen Städten vorgestellt. Aus Vorbehalten wurde Neugier – und aus Neugier Zustimmung.

Warum Carsharing sinnvoll ist

Ein Privat-Pkw wird im Durchschnitt nur etwa eine Stunde am Tag genutzt – die restliche Zeit steht er ungenutzt herum. Genau hier setzt Carsharing an. Ein gemeinsam genutztes Fahrzeug kann bis zu 20 private Autos ersetzen. Das spart Platz, reduziert Verkehr, senkt CO₂-Emissionen und entlastet die Stadt.

In vielen Großstädten ist Carsharing längst etabliert. Doch auch kleinere Städte wie Lippstadt können davon profitieren – vorausgesetzt, das Angebot ist gut geplant und nah an den Bedürfnissen der Menschen.

Der politische Durchbruch im Sommer 2025

Der Einsatz des Klimanetzwerkes zeigte Wirkung: Im Sommer 2025 stimmte der Rat der Stadt Lippstadt dem Carsharing-Projekt zu und stellte das Budget bereit. Insgesamt sollen zehn Fahrzeuge an sieben Standorten im Stadtgebiet angeboten werden – darunter Verbrenner und Elektroautos in unterschiedlichen Fahrzeugklassen.

Das Projekt wird mit rund 195.000 Euro staatlich gefördert. Der Start des Vergabeverfahrens ist für Januar 2026 geplant, ab Herbst 2026 sollen die ersten Carsharing-Autos in Lippstadt unterwegs sein.

Auch Bürgermeister und Verwaltung würdigten das Engagement des Klimanetzwerkes ausdrücklich und bedankten sich öffentlich für das beharrliche Vorantreiben des Projekts.

Ein Erfolg – und kein Endpunkt

Für das Klimanetzwerk ist der Ratsbeschluss ein wichtiger Meilenstein, aber kein Abschluss. Das Netzwerk wird den Prozess weiter begleiten – von der Auswahl des Anbieters bis zur Nutzung im Alltag. Denn der eigentliche Erfolg zeigt sich erst dann, wenn die Lippstädterinnen und Lippstädter das Angebot annehmen und nutzen.

Die Geschichte des Carsharings in Lippstadt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Politik gemeinsam an einer Idee arbeiten. Aus einer vermeintlich unrealistischen Vision ist ein konkretes Zukunftsprojekt entstanden – für mehr Lebensqualität, weniger Verkehr und eine klimafreundlichere Stadt.

Die WandelBar im Leerstand


Was lange währt wird endlich Wirklichkeit. Seit März 2020 hatte Johanna Brühl vom Klimanetzwerk den Wunsch einen Lernort für die Veränderung in Lippstadt zu haben. In der Coronazeit hat sie gelernt virtuell am Projekt zu arbeiten und am Anfang hatte sie sogar ein Team von 9 Organisationsentwicklern aus dem deutschsprachigen Raum, die sie begleitet haben.

Heraus kam die Idee, in Lippstadt mit einer leeren Agenda und der Theorie U und einigen Freiwilligen zu starten.

Das erste reale Treffen der WandelBar fand im September 2020 zuerst bei der Ev. Gemeinde in Lippstadt und später bei der INI statt. Es gab eine Community die sich mit dem Thema Postwachstum auseinander gesetzt hat und die eine Vision entwickelte und ein Teamtraining, die uns zusammen schweißen sollte. In dieser Zeit entstand unsere Vision der WandelBar. Aber dann kam Corona.

Trotz virtueller WandelBar Treffen, war die anfängliche Euphorie irgendwann aufgebraucht und so machten wir im März 2022 einen zaghaften Neustart in der Mensa des Ostendorfgymnasiums. Schnell merkten wir, dass die WandelBar für alle Lippstädter*innen offen sein sollte und so kam die Idee einer Vortragreihe zu Themen der großen Transformation zustande.

Seit September 2022 haben wir den Raum an jedem 1. Mittwoch im Monat für die Veranstaltungen der WandelBar und holen so die Lippstädter*innen zu den einzelnen Themen ab. Diese Vortragsreihe werden wir weiterhin unter dem Logo WandelBar veranstalten.

Die Idee der eigenen Location für die Transformation ist aber nie ganz erloschen und so bewarben wir uns im Januar 2023 um Fördergelder für die Bespielung eines Leerstandes und gingen fleissig auf Suche. Es stellte sich heraus, dass viele Immobilienmakler für die Summe der Förderung lieber das Ladenlokal leer stehen lassen und so versuchten wir an die Eigentümer heran zu kommen. Das erste Ladenlokal, dass wir auf diese Weise besichtigen konnten, stellte sich aber als zu sanierungsbedürftig heraus und so entschieden wir uns weiter zu suchen.

Durch Mund-zu-Mund Propaganda kamen wir dann an den Friseurladen in der Poststr. 12. Mit dem Friseurmeister waren wir uns schnell einig und das ehemalige Konzept wurde schnell über den Haufen geschmissen und den neuen Gegebenheiten angepasst. Die WandelBar kann deshalb jetzt vorerst einmal nur für interne Veranstaltungen genutzt werden und die Lippstädter Öffentlichkeit können wir auf der Straße an Stehtischen ansprechen.

Die WandelBar im Leerstand

An der Tür der WandelBar steht:

„Die WandelBar ist ein temporäres Projekt des Klimanetzwerks Lippstadt. 
Wir bespielen hier einen Leerstand bis zum 01.12.2023

Wir wollen hier mit den Lippstädter*innen über die Klimaziele der Stadt ins Gespräch kommen und unsere Arbeit sichtbar machen.

Die große Transformation zu einer klimaneutralen Stadt muss kultiviert werden und kann nicht in Auftrag gegeben werden. Wir sind alle Teil dieser Veränderung. 

Der Friseursalon dient uns dabei als Metapher. 
Friseursalons sind bekanntlich kommunikative Orte und häufig kommt man verändert wieder heraus. Wir verändern nicht ihr Aussehen, wollen aber über Gespräche Ihre Einstellung verändert. 

Veränderung ist eine Gemeinschaftsaufgabe und… 

Veränderung kommt von innen.“

Am 15.09.2023 nach der Aktion zum Global Strike Day werden wir die WandelBar mit den Klimanetzwerker*innen eröffnen. Schon jetzt spricht sich herum, dass sich in der Poststr. etwas tut.