Antrittsbesuch beim Bürgermeister Tschense

Wie kann Mobilität in Lippstadt klimafreundlicher werden? Über diese Frage tauschten sich jetzt Mitglieder des Klimanetzwerks und des Fahrradnetzwerks Lippstadt mit Bürgermeister Alexander Tschense im Stadthaus aus. Das Treffen zeigte: In der Stadt gibt es viele Ideen – und auch konkrete Projekte, die bereits auf den Weg gebracht wurden.

Ehrenamtliches Engagement für mehr Klimaschutz

Bürgermeister Alexander Tschense hatte die Vertreterinnen und Vertreter der Netzwerke zu einem Gespräch unter der Überschrift „Klimafreundliche Mobilität“ eingeladen.

Anke Victor, Sprecherin des Klimanetzwerks, begrüßte den offenen Austausch:

„Wir freuen uns, dass Alexander Tschense so großes Interesse am Klimaschutz in Lippstadt und an unserer ehrenamtlichen Arbeit zeigt. Beim Thema Mobilität bringen wir gern unsere Ideen ein, hoffen auf gemeinsame Ziele und bieten unsere Unterstützung an.“

Die Netzwerke engagieren sich seit Jahren ehrenamtlich für nachhaltige Mobilitätslösungen in Lippstadt.

Radverkehr weiter verbessern

Ein wichtiger Schwerpunkt des Gesprächs war der Radverkehr.

Claudia Bachmann vom Fahrradnetzwerk berichtete über die Arbeit der Gruppe, die sich insbesondere für bessere und durchgängige Radwege zwischen der Innenstadt und den Ortsteilen einsetzt.

Der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt enthalte bereits viele gute Ansätze. Allerdings fehle aus Sicht des Netzwerks mehr Transparenz über den aktuellen Stand der Umsetzung.

Uwe Schemmann vom Kernteam des Klimanetzwerks erklärte dazu:

„Wir vermissen ein Instrument, mit dem wir erkennen können, wo wir bei der Umsetzung der Maßnahmen stehen und was bereits angefangen oder sogar finalisiert ist.“

Ein weiteres Problem: Die zugrunde liegenden Daten sind inzwischen veraltet. Der Verkehrsentwicklungsplan stammt aus dem Jahr 2014. Aktuelle Verkehrszählungen fehlen bislang.

Mehr Transparenz geplant


Bürgermeister Alexander Tschense kündigte an, dass die Stadtverwaltung bereits an einem neuen digitalen Instrument arbeitet.

Dieses Tool soll künftig mehr Transparenz über laufende Projekte schaffen. Bürgerinnen und Bürger können dann den Fortschritt von Maßnahmen verfolgen – nicht nur im Bereich Verkehrspolitik, sondern auch in anderen Themenfeldern der Stadtentwicklung.

Idee: Eine mobile Jugendverkehrsschule

Ein besonders positives Echo fand eine neue Idee des Fahrradnetzwerks: eine Jugendverkehrsschule, in der Kinder, aber auch ältere Menschen, sicheres Radfahren üben können – insbesondere im Umgang mit E-Bikes.

Karl-Heinz Tiemann stellte das Projekt vor. Bürgermeister Tschense reagierte begeistert:

„Eine tolle Idee. Ich könnte mir schon einige Flächen vorstellen – abgesehen von den Schulhöfen – wo man so etwas realisieren könnte.“

Besonders spannend findet der Bürgermeister die Idee eines mobilen Verkehrsgartens, der flexibel an verschiedenen Orten aufgebaut werden kann.

Carsharing in Lippstadt nimmt Fahrt auf

Auch beim Thema Carsharing gibt es Fortschritte.

Sabine Hense-Ferch, Pressesprecherin des Klimanetzwerks, berichtete über die Arbeit ihres Teams, das sich intensiv für ein entsprechendes Angebot in Lippstadt eingesetzt hat. Eine vom Netzwerk initiierte Umfrage hatte zuvor gezeigt, dass es in der Stadt einen Bedarf für Carsharing gibt.

Auf dieser Grundlage sammelten die Mitglieder Beispiele und Erfahrungen aus anderen Städten und suchten das Gespräch mit der Stadtverwaltung. Mit Erfolg:

Die Stadt Lippstadt hat gemeinsam mit dem Kreis Soest einen Förderantrag für zehn Carsharing-Fahrzeuge gestellt – und dieser wurde inzwischen bewilligt.

Wenn alles nach Plan läuft, könnten die ersten Fahrzeuge bereits in der zweiten Jahreshälfte in Lippstadt zur Verfügung stehen.

Bürgermeister Tschense ergänzte, dass mindestens fünf der Fahrzeuge Elektroautos sein werden. Neben vier Standorten in der Innenstadt soll auch Bad Waldliesborn eine Carsharing-Station erhalten.

Langfristig könnten auch die Ortsteile in das Sharing-System eingebunden werden.

Austausch soll fortgesetzt werden

Das Treffen zeigte, wie wichtig der Dialog zwischen Stadtverwaltung und engagierten Bürgerinnen und Bürgern ist.

Zum Abschluss versprach Bürgermeister Alexander Tschense den Netzwerkern:

„Wir bleiben in Kontakt.“

Ein Versprechen, das Hoffnung macht – für weitere gemeinsame Schritte hin zu einer klimafreundlichen Mobilität in Lippstadt.

Bildquelle: Christian Motog – https://www.für-lippstadt.de

Carsharing für Lippstadt

Vom „unmöglich“ zum Modellprojekt

Carsharing in Lippstadt? Noch vor wenigen Jahren galt das als aussichtslos. Zu kleinstädtisch, zu autozentriert, zu wenig Nachfrage – so lauteten die gängigen Vorurteile. Doch heute steht fest: Carsharing kommt nach Lippstadt. Im Sommer 2025 hat der Rat der Stadt das Projekt beschlossen und das nötige Budget freigegeben. Ein Erfolg, der ohne das Klimanetzwerk Lippstadt kaum denkbar gewesen wäre.

Das Klimanetzwerk als Motor der Veränderung

Bereits 2024 nahm das Klimanetzwerk Lippstadt das Thema nachhaltige Mobilität gezielt in den Fokus. Ein eigenes Projektteam wurde gegründet, um das Thema Carsharing fachlich fundiert und praxisnah zu bearbeiten. Unter der Leitung von Elke Leonhard Brendel wurden Chancen, Risiken und Umsetzungsmöglichkeiten intensiv analysiert.

Parallel dazu brachte sich das Klimanetzwerk aktiv in Workshops des Kreises Soest ein, der ebenfalls an einem Carsharing-Konzept für Lippstadt arbeitete. Ziel war es, den Prozess nicht nur kritisch zu begleiten, sondern konstruktiv zu unterstützen – immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort.

Bürgerumfrage und WandelBar: Der Wendepunkt

Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Erfolg war die umfangreiche Bürgerumfrage des Klimanetzwerkes. Sie zeigte klar: Das Interesse an Carsharing in Lippstadt ist vorhanden. Besonders Menschen, die selten ein Auto benötigen oder bewusst auf einen Zweitwagen verzichten möchten, sehen im Teilen von Fahrzeugen eine echte Alternative.

Ergänzt wurde die Umfrage durch eine gut besuchte Informations- und Diskussionsveranstaltung in der WandelBar. Dort kamen Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Politik und Fachleute zusammen. Skepsis wurde offen angesprochen, Fragen ehrlich beantwortet und Erfahrungen aus anderen Städten vorgestellt. Aus Vorbehalten wurde Neugier – und aus Neugier Zustimmung.

Warum Carsharing sinnvoll ist

Ein Privat-Pkw wird im Durchschnitt nur etwa eine Stunde am Tag genutzt – die restliche Zeit steht er ungenutzt herum. Genau hier setzt Carsharing an. Ein gemeinsam genutztes Fahrzeug kann bis zu 20 private Autos ersetzen. Das spart Platz, reduziert Verkehr, senkt CO₂-Emissionen und entlastet die Stadt.

In vielen Großstädten ist Carsharing längst etabliert. Doch auch kleinere Städte wie Lippstadt können davon profitieren – vorausgesetzt, das Angebot ist gut geplant und nah an den Bedürfnissen der Menschen.

Der politische Durchbruch im Sommer 2025

Der Einsatz des Klimanetzwerkes zeigte Wirkung: Im Sommer 2025 stimmte der Rat der Stadt Lippstadt dem Carsharing-Projekt zu und stellte das Budget bereit. Insgesamt sollen zehn Fahrzeuge an sieben Standorten im Stadtgebiet angeboten werden – darunter Verbrenner und Elektroautos in unterschiedlichen Fahrzeugklassen.

Das Projekt wird mit rund 195.000 Euro staatlich gefördert. Der Start des Vergabeverfahrens ist für Januar 2026 geplant, ab Herbst 2026 sollen die ersten Carsharing-Autos in Lippstadt unterwegs sein.

Auch Bürgermeister und Verwaltung würdigten das Engagement des Klimanetzwerkes ausdrücklich und bedankten sich öffentlich für das beharrliche Vorantreiben des Projekts.

Ein Erfolg – und kein Endpunkt

Für das Klimanetzwerk ist der Ratsbeschluss ein wichtiger Meilenstein, aber kein Abschluss. Das Netzwerk wird den Prozess weiter begleiten – von der Auswahl des Anbieters bis zur Nutzung im Alltag. Denn der eigentliche Erfolg zeigt sich erst dann, wenn die Lippstädterinnen und Lippstädter das Angebot annehmen und nutzen.

Die Geschichte des Carsharings in Lippstadt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn engagierte Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung und Politik gemeinsam an einer Idee arbeiten. Aus einer vermeintlich unrealistischen Vision ist ein konkretes Zukunftsprojekt entstanden – für mehr Lebensqualität, weniger Verkehr und eine klimafreundlichere Stadt.

Meilensteine, Kooperationen und Highlights

Rückblick auf das Klimanetzwerkjahr 2024

Ein strategischer Start ins Jahr

Am 6. Januar 2024 legte das Kernteam des Klimanetzwerks die Weichen für das kommende Jahr. Mit einer überarbeiteten Strategie und klaren Werten begann die Umsetzung auf den Netzwerkabenden. Themenfelder lösten die bisherigen Arbeitsgruppen ab, und Projektsteckbriefe wurden eingeführt, um die Organisation zu stärken. Früh im Jahr beteiligte sich das Netzwerk an Demos für gesellschaftlichen Zusammenhalt und startete erfolgreiche Kooperationen.

Frühling: Mobilität, Demokratie stärken und Wärmewende im Fokus

Die Fahrrad-Sternfahrt, organisiert von Gerd Pokraka, setzte ein Zeichen für lebendige Demokratie und nachhaltige Mobilität.

Parallel dazu beeindruckte die Veranstaltung „Private Wärmewende“ in der Bücherei mit über 100 Teilnehmer*innen. Dieses wichtige Thema wurde erneut von Jan Wollesen und Anke Victor beflügelt.

Über die Fahrradstraße am Weingarten und die intensive Auseinandersetzung mit der Stadt ist letztendlich die neue AG FahrradNetzwerk LP entstanden. Trotz unserer Strategie hat sich eine mittlerweile 20- köpfige Gruppe unter Leitung von Gerd Pokraka gebildet, die sich im Laufe des Jahres selbst organisiert hat und nun beginnt, Projekte zu planen und umzusetzen. Momentan läuft gerade die Umfrage zum Fahrradverhalten, die dann bei einem Runden Tisch im Januar als Grundlage dienen soll.

Sommer: CarSharing und kulturelle Höhepunkte

Das CarSharing-Projekt unter der Leitung von Elke Leonhard Brendel erlebte mit der Veranstaltung in der WandelBar und einer umfangreichen Umfrage spannende Momente, auch wenn die Umsetzung noch Herausforderungen birgt. Der Juni brachte ein kulturelles Highlight mit Maja Göpel im Stadttheater, deren Vortrag das Publikum begeisterte.

Herbst: Klimafokus und politische Weichenstellungen

Mit den PV- und Wärmeradtouren im Juli und September sowie der Klimawoche blieb der Herbst ereignisreich. Die Bürgermeisterkandidat*innen-Vorstellungen zeigten, wie das Klimanetzwerk kommunale Themen aktiv mitgestaltet. Auch der 5. Geburtstag des Netzwerks im September bot Anlass zum Feiern und Netzwerken.

Winter: Bürgergenossenschaft und Zukunftsvisionen

Das Jahr endete mit einem Paukenschlag: der Gründung der Bürgergenossenschaft Lippestrom. Mit einer beeindruckenden Auftaktveranstaltung wurde der Grundstein für ein zukunftsweisendes Energieprojekt gelegt. Parallel trieb das Netzwerk Projekte mit der Hochschule Hamm-Lippstadt voran, etwa VR-Visualisierungen für eine grünere Innenstadt.

Das ganze Jahr über: WandelBar und Kooperationen

Mit acht Themenabenden in der WandelBar organisiert von Johanna Brühl blieb das Netzwerk im regen Austausch mit der Lippstädter Bevölkerung. Themen wie Gesundheit und Klimawandel oder klimafreundliches Reisen sorgten für rege Diskussionen. Zudem wurden zahlreiche neue Partnerschaften geknüpft, etwa mit dem Frauennetzwerk und den Soroptimisten und der HSHL im Bereich Nachhaltige Gründungen.

Ausblick: Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Das Klimanetzwerk Lippstadt blickt auf ein bewegtes Jahr 2024 zurück und geht gestärkt ins neue Jahr. Mit spannenden Projekten, engagierten Mitgliedern und neuen Kooperationen bleibt der Fokus auf einer nachhaltigen und lebenswerten Zukunft.

Stadtradeln 2023

Bald gehts wieder los. Vom 13.08. – 02.09. findet wieder Stadtradeln in Lippstadt statt. 21 Tage treten die Teilnehmer in die Pedale und sammeln dabei Kilometer. Die Kommune mit den meisten Kilometern werden ausgezeichnet.

2022 ist Lippstadt beim Stadtradeln beste Newcomer-Kommune unter den Kommunen mit 50.000 – 99.999 Einwohnern geworden. An diesen Erfolg wollen wir natürlich anknüpfen. Der größte Konkurrent in diesem Jahr ist voraussichtlich Rheine mit 892.000 km, die im letzten Jahr den ersten Platz gemacht haben. Wir hatten im letzten Jahr 460.000 km geschafft. Da viele erst spät mitbekommen haben, dass da eine Radaktion läuft, erhoffen wir uns in diesem Jahr eine noch größere Teilnehmerschaft. Im letzten Jahr hatten wir 2200 Teilnehmer und 120 Teams. mehr hier

Jeder Kilometer zählt


Die km werden über die Stadtradeln App gezählt. Dafür muss man sich einmalig mit einem Account registrieren über Stadtradeln.de/lippstadt und einem Team beitreten. Das Klimanetzwerk Lippstadt hat dort ein Team eingerichtet. Man kann auch als Nichtnetzwerker für das Team Klimanetzwerk Lippstadt Kilometer sammeln. Dabei ist es unerheblich, ob die km zur Arbeit, zur Schule, im Urlaub oder in der Freizeit gefahren werden. Jeder km zählt.

Die besten Teams werden dann wieder am 16.09. auf dem Mobilitätstag in Lippstadt mit einer Urkunde durch den Bürgermeister geehrt. An diesem Tag planen wir um 16:00 Uhr auch eine Kidical Mass – damit die Kinder sich die Altstadt erobern können.

Für das Klimanetzwerk Lippstadt ist die Aktion wichtig, da wir mit der Aktivierung der Radler die Mobilitätswende in Lippstadt unterstützen. Umso mehr Radfahrer in der Stadt unterwegs sind, desto mehr Infrastruktur wird auch für Radler zur Verfügung gestellt. So können z.B. erst Fahrradstraßen eingerichtet werden, wenn vor allem Radfahrer darauf unterwegs sind. Das ist häufig ein Henne – Ei Problem. Eine Aktion wie das Stadtradeln, kann also helfen, die Radfahrer wieder auf die Straße zu bekommen.

Veränderung braucht eine kritische Masse

In diesem Jahr hat das Klimanetzwerk Lippstadt zusammen mit dem ADFC Ortsgruppe Lippstadt schon 2 „critical mass“ durchgeführt. Wir wollen damit der Politik und der Stadtverwaltung zeigen, dass Lippstadt bereit für die Mobilitätswende ist.

Wir wollen, dass sich etwas in Lippstadt verändert: die Fahrradfahrer und die Fußgänger brauchen mehr Platz, damit sie sich sicher in Lippstadt fühlen.

13 Mio. Deutsche haben keinen Führerschein und Kinder oder auch alte Menschen, die sich nicht mehr trauen mit dem Auto zu fahren, trauen sich teilweise auch nicht mit dem Fahrrad auf stark befahrenen Straßen, wie z.B. der Cappelstr. zu fahren.
Fahrradstraßen, die hier mehr Sicherheit geben, sollen aber nur dort eingeführt werden, wo überwiegend Fahrräder unterwegs sind. Das typischen Henne und Ei Dilemma und damit ein Teufelskreis.

Angesichts der Klimakrise und des Ukrainekriegs mit seinen Auswirkungen auf fossile Energie, brauchen wir aber neue Denkanstöße.

Weniger Autos auf den Straßen und Plätzen heißt mehr umweltfreundliche Mobilität und mehr Alternativen zum Auto. Der ÖPNV muss dabei bezahlbar und verfügbar werden und Fahrräder und Fußgänger müssen bevorzugt werden, damit die Mobilitätswende gelingen kann.

Lippstadt ist hervorragend geeignet für eine Fahrradstadt nach holländischem Vorbild, denn wir haben keine Berge und alles ist in 15 min erreichbar.

Wir sind bereit für die Mobilitätswende.